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22. Februar 2012 – 12:48 | Kommentare deaktiviert

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Reit-WM: Michael Jung ist Weltmeister

Submitted by on 6. Oktober 2010 – 18:02No Comment
Reit-WM: Michael Jung (GER)

Reit-WM: Michael Jung (GER)

Michael Jung ist Weltmeister der Vielseitigkeitsreiter

Kentucky/USA (fn-press). Einen historischen Erfolg feierten die Vielseitigkeitsreiter in Kentucky: Erstmals in der Geschichte der Weltmeisterschaften stand ein deutscher Reiter am Ende auf dem Treppchen: Michael Jung aus Horb, der mit seinem zehnjährigen Württemberger La Biosthetique Sam FBW als jüngster Reiter seit Lucinda Prior-Palmer 1982 den Titel nach Deutschland holte.

Mit dem Sieg ging für die ganze Familie Jung ein Traum in Erfüllung. „Schon mit 13 Jahren hat Michi bei einem Besuch in Badminton gesagt: ‚Da will ich mal hin’“, wusste sein Vater Joachim Jung zu berichten. Der Sieg in Kentucky war kein Zufall, sondern das Ergebnis strategischer Planung und eines perfekten Managements. „Darauf haben wir das ganze Jahr hingearbeitet“, sagte Michael Jung. Gezielt wurde Sam nur in vier Prüfungen vor der WM eingesetzt, an der Dressur gefeilt und das Management immer weiter optimiert. „Michael Jung in dieser Weltmeisterschaft als überlegen zu bezeichnen ist noch zu schwach ausgedrückt. Es geht ja nicht nur um das Ergebnis in Zahlen, sondern um die Art und Weise, wie er geritten ist“, lobte Bundestrainer Hans Melzer (Putensen) den frisch gebackenen Champion.

Jungs Titelgewinn versöhnte Melzer, das übrige Team und die vielen Fans vor Ort und an den Bildschirmen damit, dass es für die deutsche Mannschaft ansonsten weniger gut lief als erhofft. „Wir sind als Titelverteidiger angereist und am ersten Tag sah ja alles so aus, als könnten wir den Erfolg von Aachen wiederholen “, sagte Melzer. In der Dressur lieferte Dirk Schrade (Sprockhölvel) mit Gadget de la Cere mit 42,5 das schlechteste Ergebnis ab – ein Resultat, das als Endstand noch zur Medaille gereicht hätte. Für das Dressur-Highlight des ersten Prüfungstages sorgte die Championats-Debütantin Simone Deitermann (Saerbeck) mit ihrem Westfalen Free Easy NRW. Sie musste sich mit nur 36,0 Minuspunkten schließlich nur dem Italiener Stefano Brecciaroli mit Apollo van de Wendi Kurt Hoeve (35,5) und dem späteren Sieger Michael Jung geschlagen geben. Dieser ging mit 33,0 Minuspunkten in Vorleistung und sollte diesem Ergebnis auch in den folgenden Prüfungen keine weiteren Strafpunkte mehr hinzufügen.

Allerdings waren sich schon nach der ersten Besichtigung der von dem Briten Mike Etherington-Smith konzipierten Geländestrecke alle einig, dass diese Weltmeisterschaft wohl nicht in der Dressur entschieden werden würde – auch wenn es später insgesamt 14 der 78 Starter gelang, ohne Zeit- und Hindernisfehler ins Ziel zu kommen. Als „richtig, dick und schwer, wenn auch fair und mit klarer Aufgabenstellung“ beschrieben die meisten Reiter die rund 6.400 Meter lange Strecke durch den Horse Park, die wegen des hügeligen Geländes darüber hinaus auch konditionell höchst anspruchsvoll war. Für einen gelungenen Auftakt sorgte gleich die erste Starterin, Nicola Wilson aus Großbritannien mit Opposition Buzz, die bereits im Vorjahr bei den EM in Fontainebleau den Pathfinder für ihr Team gemacht hatte. Sie kam mit weißer Weste ins Ziel und bewies mit ihrem Ritt, dass sich die Strecke gut reiten ließ. Am Ende der Prüfung waren allerdings auch 19 Paare ausgeschieden.

Auch für den ersten deutschen Starter, Dirk Schrade, lief es zunächst ganz gut. Lediglich am Walnut Hall Corner, dem sehr steilen Coffin (Hindernis 7), kam er kurzfristig aus dem Konzept, schwenkte aber rasch auf die Alternative um und lag bis zum vorletzten Hindernis gut im Rennen. Das Ziel schon vor Augen, machte Gadget de la Cere einen Galoppsprung zu viel, rumpelte, so dass Pferd und Reiter zu Boden mussten. Zum Glück kamen beide mit kleineren Schrammen davon. Nicht genug damit, kam kurz danach auch Simone Deitermann nur bis zum letzten Hindernis. Noch ein Sprung – Kentucky Proud Harvest Table –und die Einzelmedaille wäre in greifbare Nähe gerückt. Doch es sollte nicht sein: „Free Easy NRW guckte etwas, rutschte dabei mit den Hinterbeinen ans Hindernis heran und erwischte dadurch den Absprung nicht“, erklärte die Reiterin ihr Malheur. „Am letzten Hindernis auszuscheiden – und das nach der guten Dressur: schlimmer geht es nicht“, sagte die 28-Jährige enttäuscht.

Im Bewusstsein, „die Kohlen aus dem Feuer holen zu müssen“, ging danach Ingrid Klimke (Münster) mit FRH Butts Abraxxas an den Start. Sie kam fehlerfrei und mit nur wenigen Strafpunkten ins Ziel und sorgte für ein Aufatmen im deutschen Lager. Doch die Freude währte nicht sehr lange. Wie schon Dirk Schrade zuvor bekam Andreas Dibowski (Döhle) mit Euroridings Butts Leon am Coffin Probleme. Gleich zweimal stockte der dunkelbraune Wallach am Graben, bevor er sich beim dritten Anlauf zum Darüberspringen bewegen ließ. „Das sind die Momente, die man nicht erklären kann. Mein Pferd hat noch nie Probleme am Graben gehabt. Es hat sich gezeigt, dass die Pferde sich am Coffin mehr zurückgenommen haben, als wir das gedacht haben“, wunderte sich Dibowski. Der Patzer kostete „Dibo“ nicht nur 60 Strafpunkte, sondern auch Zeit. Das Paar kam zwar ins Ziel, landete aber weit abgeschlagen auf den hinteren Rängen. Da half es auch nichts, dass er die WM mit einer souveränen Nullrunde im Parcours beendete. „Das macht es eigentlich noch ärgerlicher, wenn es dann zum Schluss so gut läuft. Der Fehler im Gelände ist für mich immer noch nicht erklärbar, das war so unnötig, dass das passiert ist. Für mich persönlich ist es schon eine Enttäuschung. Damit kann man nicht zufrieden sein“, sagte Dibowski.

Dass die deutsche Mannschaft am Ende immerhin das angepeilte „Minimalziel“ – Platz fünf und damit die Teilnahmeberechtigung an den Olympischen Spielen in London – erreichte, verdankte es nicht zuletzt der souveränen Nullrunde von Michael Jung und Sam. Bis auf einen kleinen „Wackler“ am ersten Wasserhindernis ließ der 28-jährige Pferdewirtschaftsmeister den Kurs leicht aussehen. Mit neun Punkten Vorsprung – also zwei Abwürfen „in der Hand“, die er allerdings nicht benötigen sollte – startete er am letzten Tag ins Springen und demonstrierte hier mit einer Nullrunde noch einmal seine Überlegenheit im WM-Starterfeld.

Mit guten Chancen ritt auch Ingrid Klimke in den Springparcours. Dank ihrer Vorleistungen lag sie nach dem Gelände auf Platz vier und rückte nach der sonntäglichen Verfassungsprüfung sogar noch einen Platz auf, nachdem die bis dahin drittplatzierte US-Amerikanerin Rebecca Holder ihren Courageous Comet vom Start zurückgezogen hatte. Er hatte in der Prüfung ein Eisen verloren, musste beim Vortraben in die Holding Box und wurde kein zweites Mal mehr vorgestellt. Allerdings war es eng auf den Plätzen zwei bis elf. Jeder Fehler wurde sofort bestraft und mit den ersten fehlerfreien Runden lastete auf Ingrid Klimke der Druck, ebenfalls ohne Abwurf zu bleiben. Ihr Wunsch wurde nicht erfüllt: Nach dem Plankensprung fiel auch noch Sprung zehn, so dass die 42-Jährige am Ende auf dem 13. Platz landete.

Die Silbermedaille in der Einzelwertung ging an den Briten William Fox-Pitt mit Cool Mountain, der wie Jung die WM mit seinem Dressurergebnis beendete und darüber hinaus Gold mit dem Team gewann. Zwei Mal Bronze gab es für den Aachen-Sieger Andrew Nicholson mit Nereo – die erste Einzelmedaille in der langjährigen Karriere des Neuseeländers. Die Silbermedaillen in der Mannschaftswertung durften sich die Kanadier umhängen lassen, während das gastgebende US-Team seine Medaillenchancen im Parcours verschenkte und mit dem undankbaren vierten Platz vorlieb nehmen musste.
Quelle: fn-press/ dp/hb
Fotos: CMS-MEDIEN Pressebildagentur
http://www.cms-medien.eu

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